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Yoga by Mel
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          YOGA
- ein komplexes Thema




            atha  yoga  anusasanam       


     om saha navavatu
                 saha nau bhunaktu saha viryam karavavahai
                                       tejasvi na vadhita mastu ma vidvisavahai
                                                                                                  

                                                                           om shanti shanti shantis

 

           * Einführung in Yoga *
                        
                               * geschützt im Licht *

                                                      * göttlicher Frieden innen und außen *




Von vielen Westeuropäern in der heutigen Zeit wird Yoga auf die Asanas (Körperhaltungen) begrenzt, das ist ein wichtiger Schwerpunkt in der Hatha Yoga Pradipika, aber dennoch weit gefehlt...Yoga ist das perfekte Werkzeug um die Körper zu harmonisieren; der Bewegungsapparat wird gereinigt und gestärkt, das Energiepotenzial steigt und die Emotionen werden ausgeglichen. Diese Art der Bewegung wurzelt nach Überlieferungen im Tal der Hindu und wurde nicht nur in Indien von den Menschen geschätzt. Besonders Krieger und Spirituelle nutzten es für ihre Zwecke...Yoga wirkt tiefer als wir derzeit begreifen..-es ist kein Allheilmittel aber es grenzt an ein Wunder das wir mit so wenig so viel erreichen können. So einfach das es Kleinkinder anwenden können und so anspruchsvoll das es u.a. Professoren den Kopf zerbricht wie und warum es so wirken kann.






                                              Lesen Sie hier Texte zur
 

                                        
           Yoga Geschichte
 
                                                    Yoga Philosophie

                                                 T. Krishnamacharya
 
                                                        Pranayama

                                                         Meditation

                                                           Asanas

                                                     Yoga Therapie

                                      und zu guterletzt eine Geschichte.







Die Geschichte des Yoga....


Trotz der Mannigfaltigkeit stützen sich die Wege des Yoga in Indien auf drei Traditionslinien...den religiösen....den klassisch-philosophischen und den Körper orientierten Hatha-Yoga...
Es handelt sich um drei Traditonslinien mit je eigenen Grundtexten, Konzepten u. Fachbegriffen. Alle drei Linien stehen jedoch in engem Zusammenhang und haben sich im Laufe ihrer Geschichte wechselseitig beeinflusst.

Die älteste Tradition ist hierbei im religiösen Bereich zu suchen. Sie weist bis ins 7. Jhd. vor Christus zurück zur vedischen Religion, aus der sich später die hinduistische Religion entwickeln sollte. Manche Interpreten sehen die Ursprünge des Yoga viel früher (Harappa).
Sicher ist dagegen, dass in der Mitte des 2. Jahrtausends von Nordwesten ein Volk in  Nordindien eingefallen ist, das sich selbst die Arier, die Edlen nannte. Die Nachfahren dieser Arier bilden bis heute wesentliche Teile der indischen Bevölkerung. Sie entwickelten in der Zeit zwischen 1500 und 1000 v. Chr. im Indusgebiet eine Hochkultur mit umfangreichen religiösen Texten, den Veda (Sanskrit: Wissen, heiliges Wissen). Der Veda bildet den Grundstock der sruti (Sanskrit: das Gehörte, Offenbarte), der von Sehern gehörten göttlichen Offenbarung. Brahmanen bauten eine Opferreligion auf.
Die ältesten uns heute überlieferten Textzeugnisse des Yoga sind in dieser als vedischen Zeit bezeichneten Epoche entstanden. Sie haben in den Offenbarungstexten der sruti zu zählenden Upanisads Eingang gefunden. Sicher wurde der frühe Yoga in den Upanisads von yogischen Zirkeln beeinflusst, die nicht dem religiösen Bereich zugeordnet sind. Es waren jedoch die Brahmanen, welche die heiligen Texte der Upanisads über viele Jahrhunderte, von Generation zu Generation, mündlich überlieferten und bewahrten.

Als bedeutendster Text des religiösen Yoga gilt jedoch die Bhagavadgita, die in der großen klassischen Epoche der indischen Hochkultur verfasst wurde. Die Bhagavadgita zählt zu den smrti (Sanskrit: das Erinnerte, Lehre), den nicht mehr als Offenbarung, sondern als religiöse Lehre verehrten Texten der Hindus.

In geringem Umfang sind yogische Einschübe auch in den populären religiösen Enzyklopädien der Puranas (Sanskrit: alte Sage, Legende) oder auch in den magische Ritualtexten der Tantras zu finden.

Der klassisch-philosophische Yoga führt alle bis dahin bekannten Yoga-Schulen in einer groß angelegten philosophischen Konzeption zusammen.
Die Yoga-Sutras des Patanjali werden heute oft als Grundlagentext des Yoga schlechthin angesehen. Die sowohl in Indien wie auch im Westen populärste Form des Yoga, der Körper orientierte Hatha-Yoga, bildet nun die jüngste der hier aufgezeigten Traditionslinien. Die ersten Anfänge dieses aus dem Tantrismus hervorgegangenen Yoga mögen bis ins 9 Jhd. n. Chr. zurückreichen. Die Hauptexte, die Hatha-Yoga-Pradipika (HYP), Gheranda-Samhita (GhS) und Siva-Samhita (SiS), sind mit Sicherheit jedoch einige Jahrhunderte später entstanden.

Der Hatha- Yoga kann als eine der umfassendsten Traditionen des Yoga angesehen werden, die nicht nur das Üben mit dem Körper, sondern auch wesentliche Gedanken des religiösen wie auch des klassisch-philosophischen Yoga in die eigene Konzeption integriert.

Alle aus Indien stammenden Meister der Yoga-Renaissance des 20. Jahrhunderts stützen sich auf diese drei Traditionslinien, wobei natürlich einige im religiösen Yoga, andere im klassisch-philosophischen Yoga und wieder andere mehr im Hatha- Yoga verwurzelt sind.

                                                           
                                                        aus den Ausbildungsunterlagen der YAA







Die yogische Philosophie




Das Wort Yoga stammt von der Sanskrit-Wurzel "yuj" und bedeutet: Anschirren, Anjochen, Zusammenbinden, Verbindung, Vereinigung, Einheit.



 
Yoga steht sowohl für ein einheitliches Ziel als auch für den Weg dorthin.



Der Weg/Das Ziel: Yoga als "Zustand".

Wenn vom Zustand des Yoga gesprochen wird, dann meist mit den Synonymen
Samadhi (vollkommene Erkenntnis durch innige Verbundenheit mit dem Thema) oder
Kaivalyam (innere Freiheit).



Durch zwei Besonderheiten zeichnet er sich aus:

Innerlich -
Im inneren ist Stille, Zufriedenheit. Das Ego verschwindet etwas, da sich Gedanken und Gefühle mit dem wahren Selbst verbinden. Im Zustand der Einheit erkennen wir unseren unsterblichen Wesenskern, da er dann in seiner eigenen Form (svarupe) ruht und nicht mehr von den unruhigen Gedanken- und Gefühlsbewegungen überdeckt wird.

- Äußerlich -
Nach außen hin wird die Wahrnehmung nicht mehr durch ablenkende Gedanken und Gefühle getrübt. Die Bewegungen des Geistes sind gesammelt und klar und dienen allein der Erkenntnisfähigkeit des wahren Selbst. Unterscheidungsfähigkeit und richtige Erkenntnis sind die Folge. Objekte werden so wahrgenommen, wie sie wirklich sind und nicht verfälscht durch Vorstellungen oder Erwartungen.


Der direkte Weg um dieses Ziel zu erreichen, ist die Schulung von Viveka, der Unterscheidungsfähigkeit. Im Gegensatz zu avidya der Verwechselung ist Viveka ein differenziertes Erkennen. Es geht dabei z. B. um achtsame Unterscheidung zwischen der Stimme unseres inneren und unseres meinenden Selbst, zwischen Sein und Schein, Unwichtigem und Wichtigen, Vergänglichem und Unvergänglichem.

Auch der Zustand von Yoga entsteht nicht aus dem Nichts, sondern setzt einen Weg voraus der die Wirkung der störenden Kräfte (klesas) schwächt damit der Zustand von Dukha (wörtlich- das was den inneren Raum verengt, Druck, Unzufriedenheit, Schmerz, Leiden) vergeht.


Die zur Verwechselung führenden Triebkräfte bilden einen Schleier, der die Welt und unser inneres Selbst verhüllt und unstimmige Wahrnehmungen auslöst.
Das Yoga Sutra beschreibt fünf klesas:


Avidya: -  ist die Neigung zur Verwechslung, bei der die reale Gegenwart durch Beurteilungen aus vergangenen Erfahrungen überdeckt wird. Es ist die Verwechselung von dem, was für uns nachhaltig wichtig ist, mit dem was im Moment wichtig scheint. Unter dem Einfluss von Avidya halten wir Unbeständiges für Beständiges, Unreines für Reines, Unglückbringendes für Glückbringendes und Unwesentliches für das Wesentliche. Avidya ist der Nährboden, auf dem die weiteren vier Kräfte gedeihen.

Asmita: - ist ein missratenes Selbstbewusstsein, das durch die Verwechselung des unsterblichen Wesenskern mit der unbeständigen Persönlichkeit entsteht. es führt zur Identifikation eines oberflächlich verstandenen Selbst und zu egozentrischen Verhalten. Das kann sich als Eitelkeit, Stolz, Überheblichkeit oder Minderwertigkeitsgefühl äußern.

Raga: - ist blinde Anziehung, bei der wir uns an etwas oder jemanden festklammern in der falschen Hoffnung, das uns dies viel Glück verschaffen wird und dabei blind sind für die tatsächlichen Auswirkungen dieses Verlangens.

Dvesa: - ist blinde Abneigung, bei der wir etwas oder jemanden ablehnen und meiden aus der falschen Annahme, das und dies ansonsten Leiden bringt.

Abhinivesa:- ist unbegründete Angst. In gewissem Maß ist Ehrfurcht vor dem Unvorhersehbaren ein notwendiger Schutzimpuls des Lebens und kann zu Hingabe führen. Wenn daraus aber eine starke Angst wird, die uns zu verblenden beginnt, dann erscheint alles Unbekannte bedrohlich und besonders die Angst vor dem Tod hat viele fest im Griff. Angst kann ohne konkreten äußeren Anlass gedeihen und erfasst auch Weise und erfahrene Menschen.


Bei allen Fehleinschätzungen im Laufe eines Lebens handelt es sich um Verwechselungen in der Wahrnehmung: wir schätzen das, was wir sehen, anders ein, als es wirklich ist. Avidya, die Verwechselung, wird daher als die Mutter und ihre anderen vier klesas als ihre Ableger bezeichnet.
Jedes Gewahr werden einer durch die klesas verursachten Täuschung führt zu einem Riss in dem durch sie gebildeten Schleier. Je mehr wir mit der Zeit die Natur und die Auswirkungen der Verwechselung begreifen, umso mehr kommen wir zu unserem unveränderlichen wahren ICH/DU/WIR.


Beständig achtsam zu handeln und auch bei subtilen Einwirkungen der Verwechselung Unterscheidungsfähigkeit zu entwickeln, ist eine schwierige Aufgabe. Um sie zu bewältigen beschreibt das Yogasutra acht Übungsglieder, mit denen sich die differenzierte Wahrnehmung auf verschiedenen Ebenen schulen lässt:


Yama - das Verhalten gegenüber der Natur und anderen Menschen.

Niyama - der Umgang mit sich selbst und der eigenen Energie.

Asana - Körperhaltung.

Pranayama - Atemregulierung.

Pratyahara - Sinnesanbindung ans Innere.

Dharana - anhaltende Ausrichtung/ Konzentration.

Dhyana - stilles Reflektieren.

Samadhi - vollkommende Erkenntnis.


Diese acht Glieder bilden einen ganzheitlichen Übungsweg des Yoga und sind in ihrer Bedeutung alle Gleichwertig. Sie stellen eine Verhaltensumschulung dar, die sich auf sechs verschiedene Ebenen des Menschen bezieht, beginnend bei der äußersten bis hin zur subtilen (der Umgang mit dem Umfeld, sich selbst, dem Körper, dem Atem, den Sinnen, dem Geist).


Wenn die Übungsglieder über lange Zeit praktiziert werden, kann auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene eine Reinigung von der Last der Vergangenheit stattfinden, der Einfluss der verschleiernden Kräfte geht zurück, sodass die Weisheit des inneren Selbst durchleuchten kann und differenzierte Erkenntnisse entstehen.


ALLE THEMEN DES YOGA HABEN EIN GEMEINSAMES INNERES ZIEL


Unabhängig davon, was äußerlich das Thema der Konzentration ist und welche Kenntnisse und Fähigkeiten wir dabei erlangen, geht es immer um die Unterscheidung von Drasta und Citta. Nur daraus kann die Erkenntnis des wahren Selbst kommen und nur auf diesem Wege können wir den Ursachen des Leidens entgegenwirken und inneren Frieden finden.


Das Yoga Sutra fordert uns dazu auf, die Aufmerksamkeit stets nach innen gerichtet zu halten und dabei zu unterscheiden: Was will ich und was will ich nicht? Wer bin ich wirklich und wer bin ich nicht. Die Versenkung in dieses Thema hinter allen anderen Themen wird das Bewusstsein so verändern, dass die Qualität aller Wahrnehmungen völlig neue Dimensionen erreicht. :-)



Je ausgeglichener citta (Geist) ist, umso genauer kann das Objekt vom sehenden Kern in uns (drasta) wahrgenommen werden. Citta wird zu einem klaren Kristall, der die Geschehnisse unverfälscht durchlässt.



Yoga Sutra von Patanjali (YS)  1.41-1.51 - Die Entwicklungen der Wahrnehmung
in Richtung klares Erkennen (Samapatti) erfolgt in Schritten:


Savitarka -Samapatti
Am Anfang ist das klare Erkennen nur im Bezug auf grobe und leicht durchschaubare Themen möglich und beinhaltet noch Einflüsse der Vorstellungskraft, von übernommenen Aussagen und Schlussfolgerungen.

Nirvitarka - Samapatti
Wer weiterhin übt, kann auch verzerrende Wirkungen dieser Einflüsse überwinden. Bei der Wahrnehmung zählt dann nur noch der gegenwärtige Augenblick. Dadurch kann die Gegebenheit vollkommen klar erfasst werden. Die subjektive Sichtweise des Wahrnehmenden spielt keine Rolle mehr und scheint verschwunden zu sein (geläutertes Gedächtnis).

Savicara - Samapatti
Bei weiter fortgesetztem Üben kann man diese Wahrnehmungstiefen auch für sehr subtile Themen erreichen. Zunächst können auch dabei Vorstellungen, übernommene Aussagen und Schlussfolgerungen noch eine Rolle spielen.

Nirvicara - Samapatti
Der "letzte Schritt" ist getan, wenn auch bei der Wahrnehmung subtilster Themen der Einfluss dieser Tendenzen in citta geläutert ist.



Im Verlauf dieser Schritte wird die Klarheit immer intensiver, bis der Zustand vollkommener Erkenntnis eintritt, der frei ist von jeglichen Einflüssen, die nicht aus unserer eigenen unmittelbaren Erfahrung kommen sondern drasta das sehende Kernwesen in uns in seiner eigenen Form ruht und somit erkannt werden kann. Das ist SAMADHI, der Yoga - Zustand, der Zustand der Erleuchtung indem sich KAIVALYAM - die innere Freiheit automatisch einstellt, gefolgt mit dem Wissen das die Liebe das wichtigste ist und die gesamte Schöpfung aus ihr hervorgegangen ist. 


Bhagavadgita Kapitel 6 Vers 18-21 :

18  - denn wenn das Denken im Selbst ruht, die Begierden bewältigt sind und auch Wünsche nicht mehr stören, dann ist das Yogaziel erreicht.

19 - gleich einem Licht, das unbewegt an windstillem Ort nicht flackert, vertieft der Yogi sein Denken und sammelt die Kraft im Herzen.

20 - ist das Denken durch Yoga still, gebändigt durch Meditation, sieht man das Selbst erfreut im Selbst. Zufrieden durch diesen Anblick.

21 - spürt der Geist unendliches Glück, von den Sinnen kaum zu fassen, ist man der Wahrheit voll gewiss, fest und ruhig in ihr stehend.


                                               
                                                u. a.  aus den Ausbildungsunterlagen der YAA
                                                                

                                           
  Ich wünsche ihnen viel Freude auf ihrem Weg!






nirwanagedicht von shankara


















Nirwana Gedicht .... NIRVANASATKAM.....von Shankara         





Über T. Krishnamacharya



Geboren wurde Tiruvannamalai Krishnamacharya 1888 in einem Dorf des Staates Mysore in Südindien. Seine Familie, in der er nun aufwächst, verfolgt ihre Wurzeln zurück bis hin zu den berühmten südindischen Weisen Nathamuni, Verfasser des Textes Yoga Rahasyar, dem ersten in der Genealogie der Vaishnava-Lehrer. Seinen ersten Yoga und Sanskritunterricht erhält Krishnamacharya dann auch von seinem Vater, bevor er mit zwölf Jahren Schüler einer damals weithin bekannten und angesehenen Brahmanen-Schule in Mysore wird. Dort macht man ihn mit den vedischen Texten und Ritualen vertraut, daneben besucht er das königliche College von Mysore. Mit achtzehn Jahren zieht es ihn nach Benares, wo er an der Universität Sanskrit, Logik und Grammatik studiert. Zurück in Mysore vervollständigt er seine Ausbildung in der Philosophie des Vedanta, um danach wieder nach Norden zu gehen und an der Universität Patna das Studium des Ältesten der philosophischen Systeme Indiens, des Samkhya, mit einem Examen abzuschließen. Der Samkhya ist das philosophische System, auf dessen Grundlage sich über weite Teile der Yoga stützt. 1916 macht er sich auf in den Himalaya. Dort, am Fuß des Berges Kailash, trifft er seinen Lehrer, Shri Ramamohan Brahmachari, einen gelehrten Yogi, der als Familienoberhaupt in der Nähe des berühmten Manasarovar-Sees in Tibet lebt. Mit ihm verbringt er mehr als sieben Jahre. Dieser Lehrer ist es auch, der seinen weiteren Lebensweg in starkem Maße mitbestimmt: er sieht eine wesentliche Aufgabe seines Schülers Krishnamacharya darin, dem Yoga zu wieder mehr Ansehen in Indien zu verhelfen und darin, jene seiner Fähigkeiten anzuwenden, mit denen er kranke Menschen unterstützen und heilen gelernt hat. So richtet sich Shri Krishnamacharya nicht auf die naheliegende Kariere als Gelehrter ein, sondern besucht weitere Lehrer und Universitäten in Indien, wo er seine Studien der Ayurveda, der traditionellen indischen Heilkunst und eines weiteren philosophischen Systems, des Nyaya, in Kalkutta und Benares abschließt.1924 kehrt er nach Mysore zurück, heiratet und gründet eine Familie. Am Hofe des damaligen Raja richtet er eine Schule für Yoga ein. Der Monarch selbst wird einer seiner begeistertsten Schüler. Fast zwanzig Jahre lang, von 1933 bis 1952 unterrichtet er dort Yoga, studiert und schreibt sein erstes Buch " Yoga Makarandam " -Geheimnisse des Yoga-. Sein Ruf dringt zu dieser Zeit schon weit über Südindien hinaus. Die ersten westlichen Schüler und Schülerinnen kommen 1937 um mit ihm Yoga zu lernen. Indra Devi ist eine der ersten, auch andere, später bekannte Yogalehrer wie Pathabi Jois und B.K.S Iyengar, der durch Krishnamacharyas Ehe sein junger Schwager geworden ist, erhalten bei ihm ihren ersten Unterricht. 1939 und 1940 reist ein französisches Ärzteteam an, um sich Gewissheit darüber zu verschaffen, das ein erfahrener Yogi bewusst und absichtlich den Herzschlag anhalten kann. Für Shri Krishnamacharya sind die vielbestaunten Untersuchungsergebnisse allerdings nur eine Demonstration, die er der wissenschaftlichen Welt als Antwort auf ihre Skepsis gegenüber dem Yoga schuldig zu sein glaubt. Für ihn beweist sich die Wirksamkeit der Yogapraxis tagtäglich auf einer viel wichtigeren Ebene: mehr und mehr sind es auch kranke Menschen, die seinen Rat suchen und sich von ihm unterrichten lassen. Dabei macht ihn sein Erfolg in diesem Feld immer bekannter. Und so wird er 1952 in die Großstadt Madras gerufen, um einen Politiker, Mitautor der indischen Verfassung, nach einem Schlaganfall zu behandeln. Dort in Madras lässt er sich dann mit seiner Familie endgültig nieder. Neben seinen indischen Schülern, unter denen sein Sohn T.K.V. Desikachar der engste ist, kommen nun immer mehr westliche Schüler um bei ihm zu lernen. Gerard Blitz ist einer der ersten, die ihn in Madras aufsuchen. Shri Krishnamacharyas Arbeit findet einen weiteren Ausdruck in der Einrichtung des Yoga Mandiram, den  T.K.V. Desikachar 1976 gründet und nach seinem Vater und Lehrer benennt. Der Krishnamacharya Yoga Mandiram vermittelt SchülerInnen aus aller Welt Yoga in alter Tradition im Einzelunterricht. Darüber hinaus erlangt der Mandiram als Institution im Bereich der therapeutischen Anwendung des Yoga Bedeutung. Bis sechs Wochen vor seinem Tod im Jahre 1986, er ist jetzt 101 Jahre alt, lehrt und inspiriert Shri Krishnamacharya seine Umgebung mit klarem wachem Verstand.
Krishnamacharya hat den außergewöhnlichen Reichtum des Yoga auf seine Art entfaltet: in seinem Verständnis des Yoga wie in seinen Lehren nehmen die drei Dimensionen menschlicher Erkenntnismöglichkeit den ihnen angemessenen Raum ein: die des unmittelbaren Erfahrens, die des intellektuellen Erfassens und die der Kontemplation, der Innenschau. Die Freiheit, auf jeder Stufe des Erkenntnisprozesses stehenzubleiben und sich neu zu entscheiden, ob und wie es weitergehen kann, ist für sein Verständnis des Yoga wesentlich: "Yoga ist eine Praxis und Disziplin, die sich auf die Gesundheit des Körpers, des Verstandes und des Geistes bezieht. Nach und nach verbessert Yoga die Fähigkeit des Geistes, zu erfassen, das Erfasste zu bewahren, und _ für die, die es möchten zeigt er den Weg, drei grundsätzliche Wahrheiten zu verstehen und zu erproben: die Welt, sich selbst und Gott.". Für Sri T. Krishnamacharya persönlich stand die Notwendigkeit und das Bedürfnis der Hinwendung zu Gott auf dem Weg des Yoga außer Frage. Er konnte aber auch Lehrer für die werden, denen das Gegründet - Sein in Gott fremd war. Sein tiefes Verständnis von Patanjalis Yoga Sutra machte ihn auch in dieser Frage so offen, das er in der Tat seine Schülerinnen und Schüler, wie er es von jedem Yogalehrer forderte, "das lehrte, was sie wirklich brauchen, nicht mehr und nicht weniger.                                                     

                                                                           Copyright VIVEKA - Nr. 1






Pranayama- Atem
techniken...Sinn und Nutzen


Die Atemführung hat eine zentrale Stellung, weil der Atem eine direkte Verbindung zum Geist hat und daher dessen Aktivitäten ausrichten und zur Ruhe bringen kann. Pranayama ist die Führung des Atem, bei der Prana (Chi/Mana), die subtile Lebenskraft hinter dem Atem ins Gleichgewicht kommen kann. Eine stabile leichte Körperhaltung ist eine Voraussetzung dafür. Mit Pranayama soll der Atem in Richtung eines langsameren Fließens beeinflusst werden. Das kann z. B. der Asana-Praxis eine sehr große Kraft und Intensität geben.


Eine vollständige Atemführung hat folgende Bestandteile:

* Der Atem wird lang und fein geführt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Verlängerung des Atems nicht dazu führt das der Luftstrom stockt oder grob wird, beim Streben nach einem feinen Atemfluss ist es wichtig den Atem nicht zu unterdrücken.

*Die Ausatmung, die Einatmung und die Pausen nach der Aus -u. Einatmung können verlängert werden. Dabei gilt es sehr achtsam die eigenen Grenzen zu respektieren.

*Die Länge der einzelnen Atemphasen und die Anzahl der so aufgeführten Atemzüge soll im Voraus geplant werden, da eine Reihe von Atemzügen ähnlicher Länge für die Wirkung der Übung erforderlich ist.

*Dabei ist es wichtig, dass die Konzentration auf einen Punkt gerichtet ist, z. B. einen bestimmten Körperbereich wo der Atem gespürt werden kann.



Wer regelmäßig über lange Zeit Atemübungen praktiziert, erfährt dabei, dass der Atem nach dem Üben eine neue stille Eigenschaft bekommt. Dadurch wird nicht nur der natürliche Atemfluss sehr ruhig, sondern auch die Gedanken werden gesammelter und die Wahrnehmung schärfer.
Pranayama ist auch Tor zur Meditation. Der stille Atem baut den Schleier um das sehende Selbst ab und befähigt den Geist zur anhaltenden Ausrichtung, die den ersten Schritt im Prozess der Meditation darstellt.
Das Thema, auf das während des Pranayama gerichtet wird, kann auch gleichzeitig ein Gegenstand für die Übung der Meditation sein. Auch in dieser Hinsicht bereiten die Atemübungen auf den subtilsten Bereich der Yogaübung mit dem Geist vor.

                                                                                            Quelle: YS 49-53




Atem im Krama: Der Atem hat Einfluss auf den Körper insbesondere auch auf die Wirbelsäule.
Daher hat die Art und Weise der Atmung auch einen Einfluss auf die Körperhaltungen im Yoga. Wenn der Atem dabei gezielt eingesetzt wird, dann ist es wichtig das die verwendeten Techniken grundsätzlich der Natur des Atems entsprechen. Selbst wenn der Atem in eine Verlängerung gebracht wird, die von alleine nicht entstehen würde soll der Weg dorthin dem natürlichem Atem entsprechen. Demnach entwickelt sich die Einatmung von oben nach unten und die Ausatmung von unten nach oben, was auch dem Verhalten von Luft entspricht, wie sie sich in einem Atemraum hinein und wieder heraus bewegt.



Ujjayi ist eine wichtige Technik, um eine geregelt und langsam fließende Atmung zu ermöglichen. Wer bei der Anwendung von Ujjayi Probleme bekommt, kann lernen diese Technik so anzuwenden das die Probleme nicht mehr auftreten.
Der harmonisch ruhige Atem wird erreicht indem in den Atemwegen durch Anspannung des Rachens die Luft etwas gebremst wird, damit sie nicht zu schnell herausströmt. Dabei muß nicht unbedingt ein Ton oder Geräusch im Hals zu hören sein. Ujjayi bedeutet wörtlich "die Siegreiche". Damit ist eine nach oben gerichtete Energie gemeint, die Siegreich ist über die nach unten ziehende Energie, das heißt die die Trägheit überwindet.
Wenn Asanas in Verbindung mit Ujjayi geübt werden , lässt sich für den Körper und den Geist vielmehr erreichen. In der Tradition von T. Krishnamacharya wird der Atem grundsätzlich mit den Körperübungen verbunden. Das macht die Wirkung viel intensiver, gleichzeitug die Ausführung der Übungen anspruchsvoller. Sobald der Atem auf diese Weise integriert wird, ist auch der Körper ganz anders gefordert. Das Üben wird achtsamer und gleichzeitig auf eine sehr feinstoffliche Art und Weise verstärkt. Dadurch lässt sich mit wenig sehr viel erreichen.
Es ist z. B. viel schwieriger in einer Haltung 6 Atemzüge Ujjayi zu machen als einfach mit freiem Atem einige Minuten zu verweilen. Da es unser Ziel ist, zum Wesen von Yoga zu kommen und nicht den Körper möglichst stark zu verbiegen, ist Ujjayi der Schlüssel dazu.



Weitere Methoden  sind z.B.

Sitali -   Einatmung über die gerollter Zunge

Sitkari - Einatmung durch die leichtgeöffnete Zahnreihe
              mit Zungenspitze an den unteren Schneidezähnen.

                                       


                                                                aus den Ausbildungsunterlagen der YAA







Meditation



Praxis  fürs Gehirn


In den letzten Jahrzehnten hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass unser Gehirn ähnlich wie unsere Muskulatur trainiert werden kann – und sollte.
Das eine wie die andere verkümmert, werden sie nicht regelmäßig kreativ und vielseitig benutzt. Früher war man der Meinung, das Gehirn sei mit der Geburt oder spätestens nach der Wachstumsphase eines Menschen fertig ausgeformt und in seiner Struktur und Beschaffenheit von da an nur noch in engsten Bahnen beeinflussbar.
Heute wissen wir, dass das Gegenteil richtig ist. Unser Gehirn, materielles Korrelat all unserer geistigen Funktionen, bleibt bis ins hohe Alter hinein formbar und im hohen Maße veränderbar.
Mit dieser Erkenntnis rücken nun auch mehr und mehr alte und über viele Jahrhunderte hinweg entwickelte und bewährte Techniken der Meditation in den Mittelpunkt wissenschaftlichen Interesses. Diese Techniken verbanden sich ja schon immer mit dem Anspruch, damit mentale Prozesse und Strukturen nachhaltig verändern zu können.
Das gilt auch für den Yoga. Im Yoga Sutra von Patanjali finden wir das Konzept von Meditation in ganz besonderer Weise grundsätzlich und klar formuliert. Es lässt sich so oder ähnlich wieder finden in nahezu allen Meditationstraditionen des Ostens. Allerdings präsentiert sich Meditation in diesen Traditionen in der Regel eng eingebunden in ein religiös geprägtes Umfeld. Das Besondere an Patanjalis Darlegung von Meditation besteht nun gerade darin, sich nicht auf religiös oder weltanschaulich festgelegte Zielvorstellungen zu beschränken. In ihrem Mittelpunkt steht vielmehr das Interesse an der Frage, wie sich unser Geist - wir können heute getrost auch sagen: unser Gehirn - durch üben in positiver Weise verändern lässt.



Das Verständnis von Meditation im Yoga zeichnet sich aus:

1. als Praxis im engeren Sinn durch ein große Vielfalt an konkreten Möglichkeiten. Diese Vielfalt trägt der Überzeugung Rechnung, dass die Qualität und Wirkung einer Meditation nicht auf ihrer äußeren Form beruht, sondern auf der dadurch erlangten inneren Verfassung.

2. durch eine differenzierte und klare Darstellung der mit einer Meditationspraxis verbundenen mentalen Abläufe. Damit werden erfahrbare und nachvollziehbare Orientierungen geschaffen. Mit ihrer Hilfe kann das Üben zu einem Prozess werden, der den Namen Mediation auch wirklich verdient.

3. durch eine bemerkenswerte Offenheit im Bezug auf die Ergebnisse, Wirkungen und Ziele, die mit dem praktizieren von Meditation verbunden sein können.




Meditation - eine kleine Strukturanalyse

Die Frage: "Was geschieht in einem Menschen, der meditiert?" kann uns dabei helfen, das Werkzeug Meditation richtig zu verstehen. Die allgemeinste und kürzeste Antwort darauf lautet: "Sein Geist arbeitet auf eine besondere, ja, ungewöhnliche Art und Weise." Das Ungewöhnliche an dieser Art mentaler Aktivität ist das Vorherrschen einer Qualität von "ungeteilter Ausrichtung" .Meditation meint, dass es einem Menschen gelingt, diese besondere mentale Präsenz herzustellen und aufrecht zu halten. Ohne sich dabei in irgendeiner Weise ablenken zu lassen. Meditation also lebt und wird getragen von der Fähigkeit, sich in intensiver, anders ausschließender Weise auf etwas auszurichten und in dieser Verbindung zu verweilen, darin unterscheidet sich Meditation von der normalen funktionsweise unseres Geistes deutlich. Wie der menschliche Geist im Normalzustand agiert? Nun, in der Regel herrscht hier viel ungerichtetes Durcheinander. Die Gedanken springen hin und her. mal schlagen die Gefühle hohe Wellen, mal breitet sich zähe Trägheit aus. Der Geist ist verführbar durch alle möglichen Verlockungen, in Form von Menschen, Dingen und Ereignissen in der äußeren Welt, die seine Aufmerksamkeit im schnellen Wechsel auf sich ziehen. Nur unter sehr besonderen Umständen bestimmen wir die Richtung unserer Aufmerksamkeit, z. B. in der Meditation. eine entscheidende Frage im Zusammenhang mit Meditation lautet so: Lassen wir uns von unserer inneren Dynamik treiben oder gelinkt es uns, uns zu sammeln?

Ein berühmtes Beispiel aus der indischen Tradition verdeutlicht diesen Unterschied anschaulich. Etwas vereinfacht erzählt es vom Fahrgast einer Kutsche einerseits und dem dazugehörigen Kutscher mit seinem Pferdegespann andererseits. Arbeitet unser Geist nach seinem üblichen Muster, bewegt sich das Fuhrwerk ohne wirkliche Führung: Die Pferde bestimmen die Richtung und nicht der Kutscher, der auf dem Kutschbock sitzt. Wild nach Futter, rennen die Pferde einfach los (unschwer zu erkennen: sie stehen hier für unsere Sinne). Im günstigen Fall kann der Kutscher grade noch verhindern, dass er und andere bei dieser rasanten Fahrt Schaden nehmen (Der Kutscher entspricht dann unserem Geist unter normalen Umständen: Hierhin und dorthin gezogen, ordnend was möglich ist, aber in einer Dynamik gefangen, die er kaum mitbestimmen kann). Einen Fahrgast, der energisch sein Ziel vorgibt, der dem Kutscher die Richtung weist, scheint es hier gar nicht zu geben.
Sind wir jedoch ausgerichtet, sind wir präsent, dann ist es grade der Fahrgast, der bestimmt, wohin es gehen soll. Weder der Kutscher, der am liebsten gleich am ersten Gasthaus rast machen und ein Gläschen trinken möchte, noch die Pferde, die ohne feste Führung ihrer Zügel auf jeder saftigen grünen Wiese am Wegesrand weiden würden bestimmen den Weg. Hat der Gast sein Ziel erst einmal gewählt, wird ihm das ganze Gefährt samt Kutscher und Pferde dazu dienen, ihn dorthin zu bringen. Auch wenn links und rechts unseres Weges viele verlockende Dinge warten - die Richtung wird beibehalten. Sie führt gradewegs dorthin, wohin wir uns zuzuwenden entschlossen haben.


Ruhiger Geist und Verbundenheit- Zwei Seiten einer Medaille.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Vorstellung, beim Meditieren ginge es vor allen darum, den Geist „ruhig zu stellen“, seine Aktivität also immer mehr zu dämpfen – und womöglich völlig zum Stillstand kommen zu lassen. Auch ein ruhiger Geist bleibt ein aktiver Geist. Darüber lassen auch die wissenschaftlichen Untersuchungen der mentalen Aktivität äußerst erfahrener Praktizierender während der Meditation kein Zweifel mehr. Ein Teil der Verwirrung über den Zustand der Meditation ist einer Verwechselung von Ursache und Wirkung geschuldet. Grundlage jeder Meditationserfahrung ist ein in besonderer Weise aktiver, eben ausgerichteter Geist. Diese Ausrichtung schafft eine ebenso besondere Qualität der Annäherung an die Wirklichkeit dessen, worauf er sich ausrichtet. Es ist z. B. nicht mehr das Erleben: „Ich spüre meinen Atem“ sondern „Ich bin mein Atem“. Gleichzeitig ist diese Situation eines solchen Geistes mit einer beeindruckenden Stimmung verbunden. Kein Springen, kein Drängen, kein Gezogen werden, kein inneres Reiben oder Fragen. Vielmehr eine Stimmung großer Ruhe, Gelassenheit, Zufriedenheit, ein ungebrochenes JA zum gegenwärtigen Erleben. Für die Eine mag es nun wichtiger sein, in der Meditation etwas bisher Verborgenes verstanden zu haben, ein Anderer wird es vor allem schätzen, den Geist in Ruhe und Klarheit zu erleben. Das Yoga Sutra nimmt beide Erfahrungen ernst: Meditation als Mittel zur Entwicklung eines tieferen Verständnisses. Und Meditation als das herstellen einer Stimmung, in der ich mich ganz bei mir, einig mit mir, ruhig und gelassen fühle. Der Weg zu mehr Erkenntnis und zu einer hoch geschätzten Stimmung führt aber über die immer gleiche Praxis einer bestimmten mentalen Aktivität, so vielfältig sie auch in ihrer konkreten Ausformung sein mag. Und in dieser Praxis geht es darum, die Fähigkeit unseres Geistes zur ungeteilten Ausrichtung zu entwickeln und zu festigen.


                                                          Copyright VIVEKA - Nr. 43
                                         -ein kleiner Auszug aus einem der besten Texte
                                               die ich jemals über Meditation gelesen habe.







Yogatherapie


Yoga kann Krankheit Vorbeugen und Lindern

Die Auffassung, das Yoga von allen Menschen praktiziert werden kann, teilt die Yoga Rahasya mit vielen anderen alten Texten. In der Hatha Yoga Pradipika heißt es etwa im 64. Vers des ersten Kapitels: "Jeder der Yoga übt wird Erfolge haben, sei er jung, alt, gebrechlich, krank oder schwach." Nathamuni widmet dem Thema Gesundheit und Krankheit ein eigenes Kapitel: Zum einen kann Yoga helfen, Krankheit im Vorfeld zu verhindern. Zum anderen finden wir interessante Hinweise darauf, dass und wie mit Hilfe des Yoga Krankheit auch behandelt werden kann und wie wir im praktizieren unseres Yoga mit gesundheitlichen Einschränkungen umgehen können.
Drei Gründe für Krankheit gibt es nach Nathamuni, einer davon liegt im "Menschen selbst" (adhyatmika). "Die Erkrankungen des Geistes sind" .... kama (Verlangen), krodha (Ärger), bhava (Angst), dvesha (Ablehnung, Hass), lobha (Gier), moha (mangel an Klarheit), vishada (Traurigkeit, Depression), shoka (Kummer), asuya (Eifersucht, Neid), avamana (nichtertragen von Tadel, Kritik), irshya (andere herabsetzen), matsarya (Neid, Verdächtigungen)!"- so heißt es im 22. Vers dieses Kapitels. Und weiter: " Diese Störungen in unserem Geist werden von uns selbst geschaffen." Eine solche Erkrankung kann sich nun wiederum im Körper (sharirika) oder im Geist (manasika) ausdrücken.
Asana ist für Nathamuni eine sehr wichtige, aber auch nur eine von vielen Möglichkeiten Krankheit zu beseitigen.
Größte Bedeutung misst er Pranayama bei, wobei das pranayama nicht kompliziert sein muss-jedoch muss es passen: "entsprechend den Fähigkeiten des Individuums" (Vers 193). Ist dies der Fall, so gilt folgendes: "Die Reinigung der kosha (Organe) wird erreicht durch pranayama" (Vers16). Die Entscheidung, mit welchen Mitteln des Yoga eine Krankheit angegangen werden soll (yoga cikitsa) kann allein ein Lehrer treffen. Er muss entscheiden, welches die richtige Antwort auf die Krankheit ist, die den Übenden plagt: soll ein Kranker seine Ernährung verändern? Soll er asanas üben, welche, wann, wie oft, wie lange? Wann sind bandha hilfreich oder schädlich, welche ist die passende Vorgehensweise (krama)? Wie alle anderen Verfasser von alten yogatexten, wird Nathamuni hier nicht müde, die entscheidende Rolle der LehrerInnen für eine hilfreiche Praxis zu betonen.
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das Yogasutra 3.15  besagt...die Dinge die du heute erlebst haben sich durch ein Krama gebildet. Wenn du zukünftig woanders sein willst, dann musst du andere Schritte gehen. Durch eine Reihe von anderen Handlungen wird eine neue Schiene gelegt, mit der du zu einer ganz neuen Station kommen kannst.

Genau besehen hat alles was wir erleben in seiner Vorgeschichte ein Vinyasa - Krama (spezielle Reihenfolge). Auch wenn es manchmal so scheint, passiert etwas nicht schlagartig sondern hat sich in Schritten aufgebaut. Wenn du z.B. eine Erkältung bekommst, dann wird der Arzt vllt. von einem Effekt sprechen. Bei der Ursachenforschung könnte dir einfallen, das eine Freundin mit der du Zeit verbracht hast dich vllt angesteckt hat. Aber deren Familienmitglieder sind trotzdem nicht krank geworden. Dann fällt dir ein, das du am Tag davor der Zugluft einer Klimaanlage ausgesetzt warst. Aber das ist dir auch früher schon passiert ohne krank zu werden. Wenn du auf diese Weise die Vorgeschichte analysierst, sind wahrscheinlich viele Dinge zusammen gekommen, die eine Sequenz gebildet haben an deren Ende die Erkältung stand. Um diese Beschwerden wieder zu beheben, muss ebenfalls ein Weg gebaut werden da sie auch nicht schlagartig wieder Weg gehen. 
                                                              
                                                                    aus den Ausbildungsunterlagen der YAA








Rund um Asana - Körperhaltungen - Erdung


Bei allen Asanas ist nicht das Erreichen einer bestimmten Form wichtig
(z.B. die Endposition einer Haltung), sondern die Funktion die diese Haltung für die Verbesserung des körperlichen Zustands einer Person erfüllen kann. Es ist wichtig körperliche Grenzen zu respektieren und achtsam im Umgang mit sich selbst zu sein. Es geht nicht darum sich in eine Haltung hineinzuzwängen und dabei vielleicht zu verletzen. Die Mischung macht`s..man sollte sich weder überfordern noch unterfordern. Yogische Körperhaltungen sollen den Körper beweglicher, stabiler und widerstandsfähiger machen. Aus spiritueller Sicht spricht man auch vom Erden weil man sich stark mit der körperlichen Ebene verbindet, hier wurzelt und somit sicher "spacen" kann, aber das nur nebenbei. Allein das Körpersystem ist ein abgerundeter Kreislauf dem man ohne irgendwelche Weltanschauungen einfach was Gutes tun kann und sich somit besser fühlt. In dem Moment wo man Asanas praktiziert zählt nur die Verbindung mit sich selbst und seinem Körper..man ist im JETZT..man lässt sich nicht beeinflussen von Gedanken übers Leben, man atmet und macht die Haltung und das fast meditativ ...Gewaltlosigkeit stellt sich ein sowie ein inneres Lächeln. Viele wissen gar nicht wie gut es ist mal nicht zu grübeln und wie viel Kraft das kostet. Neben dem Yogaweg wo man in konstruktive Kontemplation mit seinem Geist und der Umwelt geht ist in der Yogapraxis der Geist ausschließlich auf das gerichtet was man grade macht, und allein das so wenig es für manche auch sein mag, ist beflügelnd und kräftigend.
Die Tatsache, dass man durch richtige Anleitung anatomisch korrekt in die Haltungen reingeht, dort evtl. verweilt und wieder rausgeht unterstützt den Bewegungsapparat perfekt zu funktionieren. Das Pranayama was meistens mit den Körperhaltungen verbunden wird sorgt u.a. dafür, das ihr Körper gut durchblutet wird und z. B. alle Organe mit reichlich Sauerstoff versorgt werden.



...aus Patanjalis Yoga Sutra:

2.46  - stira sukham asanam
- die ideale Haltung ist stabil und leicht zugleich -

2.47 -  prayatna saithilya ananta samapattibhyam
- eine immer leichter werdende Haltung und intensive Bemühung, sowie die tiefgründige    Sammlung auf das grenzenlose Ich, helfen uns diese Haltung zu erreichen.
 
2.48 - tato dvandvanabhighata
 - dadurch entsteht Widerstandsfähigkeit gegenüber der Wirkung von extremen Einflüssen

2.49 - tasmin sati svasa prasvasayoh gati vicchedah pranayama
 - wenn der Fluss des üblichen Atems, unter der Voraussetzung einer guten Körperhaltung ausgedehnt wird, dann ist das Pranayama, die Atemtechnik des Yoga

2.50 - Pranayama wird geübt mit umsichtigen Einfühlen auf die Ausatmung, die Einatmung und das Anhalten, die Körpergegend, wo die Atmung sich abspielt, die Länge von jedem Teil des Atems auf die Anzahl der Atemzüge. Dabei wird der Atem lang und zugleich sanft geführt.
 
2.51 - bei der vierten Art von Pranayama sind Aus- und Einatmung kein Thema mehr.
 
2.52 - dadurch wird der Schleier um Drasta (das sehende Kernwesen) durchsichtig, und das innere Licht kommt zu Vorschein.

2.53 - und der Geist wird fähig zu Dharana (anhaltender Ausrichtung).

3.6 - die richtige Anwendung der Praxis wird Viniyoga genannt. Dabei müssen wir zunächst herausfinden, was für eine Person in guter Qualität machbar ist und die Praxis an die Möglichkeiten der Person anpassen. Von diesem Punkt ausgehend werden dann Schritt für Schritt Veränderungen eingeleitet.

3.10 - Durch regelmäßiges Üben bleibt dieser Veränderungsprozess in einem stetigen Fluss. Je regelmäßiger geübt wird, umso mehr Verbesserung kann erreicht werden.

3.15 - Wer eine Veränderung bewirken möchte, muss eine andere Sequenz von Schritten erschaffen. Mit der passenden Sequenz, ohne sich dabei zu verletzten und dem jeweils nötigen Ausgleich, kann mit vielen kleinen Schritten über einen langen Zeitraum hinweg große Veränderung erreicht werden.




Vinyasa krama/ Vinyasa/ Krama

Mit diesem Begriff werden wesentliche Prinzipien der Unterrichtsgestaltung bezeichnet:



vi              ------         in einer speziellen, besonderen Weise
nyasa      ------         Anordnung, Reihenfolge
krama     ------          Schritte



Wenn von einem Vinyasa die Rede ist, dann ist damit eine Sequenz von Haltungen gemeint, die zu einem Ablauf verknüpft sind und in der Regel dynamisch geübt werden. Der Ablauf beginnt meistens in einer neutralen Ausgangsposition (z.B. Kniestand, Stand, Rückenlage) und endet nach dem schrittweisen durchlaufen verschiedener Asanas wieder dort wo er begonnen hat. Bei einem guten Vinyasa ist das Verhältnis von Vor - und Rückbeugen ausgewogen. Der sonnengruß ist beispielsweise ein ausgewogenes Vinyasa. Stellenweise findet sich in der Literatur auch der Begriff Karana als Synonym für Vinyasa. Karana ist aber keine Bezeichnung aus dem Yoga, sondern aus dem indischen Tanz indem es auch Bewegungsabläufe gibt, die zu einer bestimmten Position führen.

Wenn das Wort Krama alleine verwendet wird, dann ist damit die bestimmte Schrittfolge gemeint in der z.B. die Körperbewegung oder Atembewegung geführt wird. Im Zusammenhang mit bestimmten Atemtechniken ( z.B. Anuloma Krama) bedeutet krama die schrittweise Unterbrechung des Atemflusses. Bei Anuloma krama wird z.B. der Einatem in mehrere Abschnitte unterteilt und jeweils kurz unterbrochen.



Ein Vinyasa Krama ist demnach eine spezielle Anordnung von jeweils zueinander hinführenden Schritten. Dieses Prinzip wird auf drei verschiedenen Ebenen des Übens angewendet:


A: Vinyasa Krama -  eine Sequenz für den Weg in ein Asana im Jetzt.

B: Tatkala Vinyasa Krama - der Aufbau einer Praxis bestehend aus einzelnen Sequenzen
Tatkala = diese Zeit

C: Dirgha kala Vinyasa Krama - ein langfristiger Prozess bestehen aus einzelnen Praxen
Dirgha kala = lange Zeit


Das Schrittweise Vorgehen ist nicht nur eine körperliche Notwendigkeit. durch eine langsame und bewusste Annäherung an ein Thema entsteht eine besondere Qualität.
Wenn eine Haltung wie z.B. der Kopfstand einfach so geübt wird, dann kann abgesehen von der Verletzungsgefahr, nicht eine solche Qualität entstehen wie durch einem rituellen Weg dorthin. Bei einem Vinyasa Krama werden schrittweise verschiedene Punkte durchlaufen, die auch nicht zwanghaft ausgeführt werden sollten, sondern so dass der Weg zu einem Genuss wird und dadurch insgesamt eine außergewöhnliche Erfahrung möglich wird.
Diese Idee lässt sich in allen Lebensbereichen wiederfinden.







* eine Geschichte *

 


      
Jenseits ist Fülle, diesseits ist Fülle,
                     aus Fülle kommt Fülle hervor.
                                           Nimmt man die Fülle aus der Fülle,
                                                                           so bleibt nichts als Fülle!
                                                                                                     Isa-Upanisad



Die Sonne schickt an diesem Apriltag zum ersten Mal in diesem Jahr mit großer Kraft ihre Wärme in die Straßen der Altstadt von Weimar.
Petra, die in Weimar eine berufliche Weiterbildung besucht, hat heute Nachmittag frei und nutzt die Zeit, um durch die Straßen dieser schönen, alten Stadt zu streifen und auf eigene Faust auf Entdeckungsreise zu gehen.
Jetzt, gegen Mittag, wird es auf den Straßen langsam richtig heiß und Petra zieht es deshalb in eine kleine, schattige Seitenstraße und von dort weiter in eine noch engere Gasse, in die Kühle.
Plötzlich bleibt sie vor einem kleinen Laden stehen.
Es ist die Auslage in dem großen, alten Schaufenster, das ein wenig hervorsteht und das wie aus dem letzten Jahrhundert zu stammen scheint, die Petra unvermittelt anhalten lässt.
Exotisch mutet sie Auslage an, denn da sind auf einem wunderschönen Sari als dekorativer Unterlage kunstvoll die unterschiedlichsten Gegenstände aus Indien drapiert.
Petra hat das sofort mit geschultem Blick erkannt.
An Indien war sie schon immer brennend interessiert, übt sie doch schon seit vielen Jahren Yoga und spielt mit den Gedanken einer Yogalehrerausbildung.
Jetzt steigt sie die wenigen Stufen zur Eingangstür hinauf, drückt den alten geschwungenen Türgriff vorsichtig hinunter, die Tür öffnet sich mit einem lauten Knarzen und einem leichten Leuten, das von dem Glockenspiel oben an der Tür herrührt.
Petra ist es, als ob sie von einer Sekunde auf die nächste von einer Welt in eine andere eingetaucht wäre:
Plötzlich ist sie in Indien, der ganze Laden ist vollgestopft mit Utensilien und Kunst aus Indien, dazu liegt über allem der typische Duft von Räucherstäbchen, es riecht nach Sandelholz.
Petra steht staunend zwischen all den Kostbarkeiten und entdeckt plötzlich in einem Regal hinten in der Ecke längliche Gegenstände, die in Tücher eingeschlagen sind. Neugierig tritt sie näher: Was mag das wohl sein?
Behutsam nimmt sie einen dieser seltsamen Gegenstände aus dem Regal und ihn gerade auswickeln, als sei eine dunkle, warme Stimme in etwas seltsamer Klangfarbe hinter sich vernimmt...

Inder: "Bitte Behutsam, meine Dame, bitte gehen sie vorsichtig damit um! Das sind nämlich ganz, ganz alte indische Bücher!"

Petra hatte den alten Inder, der hinter ihr steht, zuvor gar nicht bemerkt. Das muss der Besitzer des Ladens sein, er ist in das typische indische Männergewand gekleidet.

Petra: "Was? Alte indische Bücher? Das ist ja spannend! Können sie mir mehr darüber erzählen?"
Inder: "Haben sie etwas Zeit, junge Frau? Dann erzähl ich ihnen gerne mehr. Trinken sie doch bitte einen indischen Tschai-Tee mit mir."
Petra: "Aber gerne doch."

Als der Inder aus einer kunstvoll verzierten Kanne den dampfenden Tee in zwei zerbrechliche Gefäße gießt und Petra eines mit einem Lächeln im Gesicht hinüberreicht, weiß die junge Frau, das dieser Nachmittag interessant werden würde.

Inder: "Haben sie schon einmal etwas von den Veden gehört?"
Petra: "Den Veden? Ja, ich erinnere mich ganz dunkel: Ich glaube, das muss im Deutschunterricht gewesen sein, aber das ist schon eine Ewigkeit her."
Inder: "Möchten sie gerne mehr darüber wissen?"
Petra: "Ja, wenn sie wirklich Zeit haben! Mich interessiert das sehr, denn ich übe bereits seit vielen Jahren Yoga - und die indische Philosophie zieht mich magisch an."

Beide nehmen an einem runden Tischchen im hinteren Teil des Ladens Platz. Der alte Inder füllt die zwei Tassen mit Tschai-Tee nach, erhebt sich dann kurz und holt ganz hinten, aus der dunkelsten Ecke des Regals ein weiteres längliches, ebenfalls eingewickeltes Päckchen hervor, das er ganz behutsam und sacht vor Petra auf den Tisch legt. Mit seiner großen und feingliedrigen Hand befreit er das geheimnisvolle Buch von seiner Staubschicht.
Petra muss sich für einen Moment das Niesen unterdrücken.

Inder: "Fangen wir mit dem Wort an: Der Veda - Das Wort bedeutet "Wissen".
Der Veda beinhaltet die ältesten indischen Lehren, ist aber eigentlich kein Buch, sondern wurde früher nur mündlich weitergegeben.
Petra: "Mündlich? Wie muss man sich das vorstellen?"
Inder: "Der Veda gehört zum Kulturgut des Volksstammes der Bharata. Die Brahmanen bewahrten dieses Wissen, indem ihre Söhne die Texte auswendig lernen mussten, damit auf den Wanderschaften des Volkes dieses Wissen nicht verloren ging."
Petra: "Auswendig? Ich erinnere mich mit Grausen an jedes Gedicht, das ich als Schülerin auswendig lernen musste. Das muss ja eine riesengroße Herausforderung für die Söhne damals gewesen sein! Wurden denn die Texte nicht irgendwann einmal aufgeschrieben?"
Inder: "Erst um die Zeitwende hat man begonnen, die Texte in Palmblätter zu ritzen. Sehen sie einmal hier: Hier habe ich solche alten Aufzeichnungen auf Palmblättern!"

In der Zwischenzeit hat der Inder damit begonnen, ganz achtsam das Päckchen auf dem Tisch vor ihnen aufzuwickeln. Zum Vorschein kommen tatsächlich längliche Palmblätter mit alten indischen Texten. Petra bleibt vor Staunen der Mund offen stehen.

Petra: "Diese alten Zeichen sind ja wunderschön! Aber irgendwie kommen sie mir doch sehr bekannt vor. Was ist das für eine Schrift?"
Inder: "Das ist Devanagari, die Schrift, in der alle alten Texte verfasst sind, vergleichbar mit dem Lateinischen und Altgriechischen im Kulturkreis hier. Die Zeichen kommen ihnen deshalb so bekannt vor, weil sie auch heute noch in Indien benutzt werden."
Petra: "Stimmt! Jetzt weiß ich auch wieder, woher ich sie kenne: Aus dem Fernsehen, wenn Berichte über Indien ausgestrahlt werden. Sagen sie, sind diese Palmblätter nicht sehr empfindlich?"
Inder: "Oh ja, sie müssen regelmäßig abgeschrieben werden, bevor sie zerfallen. Deshalb kann man das Alter der Texte auch niemals genau bestimmen. Sie müssen aber sehr alt sein, mehrere tausend Jahre bestimmt. Doch letztlich ist das für die Bedeutung des Veda als dem ältesten indischen Kulturgut unerheblich."
Petra: "Was beinhaltet denn der Veda eigentlich?"
Inder: "Die vedischen Texte sind in drei Teile gegliedert, die von drei verschiedenen Priestern verwaltet und vorgetragen wurden. Der Rg-Veda enthält Opferhymnen, der Yajur-Veda Sprüche, die bei Opferhandlungen gemurmelt wurden, der Sama-Veda schließlich enthält Gesänge. Es gibt auch noch einen vierten Veda, den Atharva-Veda, benannt nach einem mythischen Priester."
Petra: "Das klingt ja unheimlich spannend! Finden sich in den Veda denn auch schon Hinweise auf Yoga?"
Inder: "Ja, es gibt dort Andeutungen, erste Ansätze für ein Verhalten, das später mit Yoga bezeichnet wird. Die Brahmanen ziehen sich in der dritte Lebensphase in den Wald zurück, um zu philosophieren und zu meditieren. Man begann auch, dem Atemvorgang Bedeutung beizumessen."
Petra: "Ja, aber der Yoga, wann tritt den nun der Yoga hervor? Ich habe von meiner Yogalehrerin gehört, dass es sehr alte Texte zum Yoga gibt. Sie zitiert und rezitiert auch des Öfteren daraus."
Inder: "Hat ihre Lehrerin auch schon mal von den Upanisaden gesprochen?  Das sind alte Texte, die sich an die Veda anschließen. Sie bilden das Ende der Textsammlungen, die man auch mit sruti bezeichnet."
Petra: "Genau Upanisaden, das Wort hat sie gebraucht! Sie hat es auch übersetzt, aber ich habe die Bedeutung schon wieder vergessen. Sie können mir doch bestimmt die Bedeutung des Wortes Upanisaden verraten?"
Inder: "Natürlich! Bettina Bäumer, eine Indologin, erklärt das so: Wörtlich bedeutet das Sanskrit-Verb upa-ni-sad: "sich nahe (upa) bei jemanden oder etwas nieder (ni) setzten (sad)", was primär die Bezeichnung von Lehrer und Schüler bedeutet: Der Schüler sitzt demütig und verehrungsvoll zu Füßen des Guru, und nur so wird ihm die Weisheit verkündet. Diese "verehrungsvolle Sitzen" bezieht sich aber auch auf die Annäherung an die mystische Wirklichkeit, die da verkündet und verehrt wird, mit welchem Namen sie auch verehrt wird."
Petra: "Hat das auch etwas mit der mündlichen Form der Überlieferung zu tun?"
Inder: "Sie lernen schnell! Die Schüler sitzen neben dem Lehrer und empfangen von ihm, ein Wissen was nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt ist. Die Upanisads sind nämlich spirituelle Geheimlehren der Vedisch-Brahmanischen Tradition, die über lange Zeit nur einem sehr beschränkten Personenkreis zugänglich waren. So wird in den Texten selbst dazu aufgefordert, keinem dieses Wissen mitzuteilen, dessen Geist nicht schon den inneren Frieden gefunden hat, auch dem nicht, der nicht Sohn oder persönlicher Schüler sei. Die Texte wurden, ohne das sie schriftlich niedergelegt wären, über viele Jahrhunderte hinweg, von Generation zu Generation, nur mündlich vom Lehrer zum Schüler mitgeteilt. So war gewährleistet, dass niemand mit der spirituellen Philosophie der Upanisads konfrontiert wurde, der nicht die Bewusstheit der geistigen Reife besaß."
Petra: "Gab es eine besondere Methode das alles zu lernen?"
Inder."Man hat sie Texte rezitiert, immer und immer wieder. Die Rezitation kennt nur drei Tonlagen: die mittlere, eine höhere und eine tiefere. So entsteht eine Art Melodie."
Petra: "Ja, diesen typischen Klang kenne ich aus meinem Yoga -Unterricht. Befassen sich eigentlich alle Upanisaden mit Yoga?"
Inder: "Oh nein, es sind nur einige. Insgesamt geht die indische Tradition von 108 Upanisaden aus, aber nur die frühen Upanisaden, die so etwa ab dem 6 Jhd.v.Chr. entstanden sind, gelten als die ältesten Zeugnisse der spirituellen Philosophie Indiens."
Petra: "Aber welche Upanisaden erzählen denn nun etwas von Yoga?"
Inda: "Chandogya-Upanisad, Kena-Upanisad, Taittiriya-Upanisad, Isa-Upanisad, Katha-Upanisad, Svetasvatara-Upanisad, Prasna-Upanisad, Mandukya-Upanisad, um nur einige zu nennen.
Petra: "Halt, halt, bitte nicht so schnell! Das sind ja richtige Zungenbrecher! Das kann sich kein Mensch alles auf einmal merken! Können sie das bitte noch einmal wiederholen und mir dabei etwas Genaueres zu diesen Upanisaden sagen?"
Inder: "Aber natürlich, gern. Doch nur in Grundzügen. Jede alleine würde mindestens einen Nachmittag füllen und so viel Zeit haben sie bestimmt nicht mitgebracht. Mit welcher möchten sie beginnen?"
Petra: "Vielleicht gleich mit der ersten Chandogya-Upanisad, hieß sie nicht so?"
Inder: "Ja, diese Upanisad ist wohl einer der ältesten Texte. In ihr wird die Lehre von der Einheit von Weltgrund und Seelengrund eindrucksvoll vertreten. Aus dem Brahman, das als das eigentliche Reale gilt, sind alle Dinge hervorgegangen, die ja in ihrem Wesen selbst nichts anderes sind, und zwar vom feinsten, dem Feuer, bis zum Bereich des Belebten. Diesen Weg geht nun das Ich des Menschen jede Nacht zurück, indem es im Tiefschlaf sich mit dem Brahman vereinigt, und es geht diesen Weg endgültig nach dem Tode zurück. "Ich bin das Brahman" lautet die Heilbotschaft und an anderer Stelle steht das berühmte "tat tvam asi"- dieses Weltall bist du.
Die schönste Stelle ist aber diese:
In der Brahmaburg des Leibes
ist eine kleine Lotusblüte, das Herz.
In ihm ist ein kleiner Raum,
aber er ist so groß wie der Weltraum,
und enthält alles,
was zwischen Himmel und Erde liegt.
Das ist die wahre Brahmaburg,
die mit dem Alter nicht altert, und durch Tötung nicht verfällt
und das von allem Übel befreite Selbst beherbergt.
Petra: "Das ist wirklich wunderschön. Und erinnert mich an das Herz-Chakra."
Inder: "Das ist richtig! Hier wird bereits deutlich, dass der Herzraum eine wichtige Rolle in der spirituellen Erfahrung spielt."
Petra: "Ist es nicht so das eine der Upanisads etwas über ein ganz bestimmtes Gleichnis ausdrückt? War diese auch in ihrer Aufzählung dabei?"
Inder: "Natürlich! Sie meinen die Katha-Upanisad und deren berühmtes Wagenlenker-Gleichnis."
Petra: "Das Wagenlenker-Gleichnis! Auch davon habe ich schon gehört. Das drückt doch, wenn ich mich recht erinnere, einen grundlegenden Inhalt des yogischen Denkens aus, oder?"
Inder: "Sie brauchen mich doch gar nicht. Sie wissen doch schon alles! Dieses Wagenlenkergleichnis veranschaulicht ein ganzheitliches Menschenbild."
Petra: "Können sie mir etwas näher erklären, was man darunter zu verstehen hat?"
Inder: "Das Bild unterscheidet zwischen fünf Dimensionen des Menschen: Körper, Sinne, Denken, Erkenntnis und Selbst."
Petra: "Bei diesen Begriffen muss ich wieder an meinen Yoga-Unterricht denken. Bei uns steht die Praxis im Vordergrund. Sagen sie, werden in den Upanisads auch Übungswege und Übungen aufgezeigt, wie wir sie heute im Yoga kennen?"
Inder: "Übungswege sind hier nur in Ansätzen vorhanden. Hervorzuheben ist hier die Svetasvatara-Upanisad, die so etwas wie ein Übungssystem erläutert, bei dem wir schon bekannte Dinge entdecken können."   
Petra: "Das ist jetzt besonders spannend für mich! Welche sind das denn?"
Inder: "Neben asketischen Übungen wird in dieser Upanisad auch eine spirituelle Praxis unter dem Namen Yoga systematisiert.
Sie spricht von einem Rückzug an einen sauberen Ort,
                    gibt Anweisung über die aufrechte Sitzhaltung
                                  über die Atemregelung und die Meditation."
Petra: "Da fehlen jetzt ja nur noch die Körperübungen, wie wir sie heute meistens machen. Sagt die Upanisad auch etwas über die Wirkungen des Yoga aus?"
Inder: "Ja, auch davon spricht sie.
Leichtigkeit - Gesundheit - eine gute Stimme - ein reiner Körper -
das sollen die Wirkungen von Yoga sein.
Man spricht deshalb zu Recht, vom ältesten Übungssystem was hier beschrieben wird."
Petra: "Mir fällt gerade noch etwas ein: Vor ein paar Wochen hatten wir einen Workshop zu den kosa. Ich glaube mich zu erinnern das die kosa-Lehre auch aus den Upanisads stammt."
Inder: "Sie erinnern sich wiedereinmal ganz richtig. Die kosa-Lehre wird in der Taitiriya-Upanisad erläutert. "
Petra: "Die kosa sind doch die Verhüllungen des wahren Selbst, erinnere ich mich da richtig?"
Inder: "Ja, bei den kosa handelt es sich um die Verhüllungen des wahren Wesenskern, zudem es vorzudringen gilt. Der Weg nach innen eröffnet nacheinander verschiedene, ineinander verschachtelte weitere Schichten:
- die Hülle der Nahrung - die Hülle des Körpers - die Hülle des Denkens - die Hülle der Erkenntnis und zuletzt, tief im Inneren, das Fundament der Hülle innerer Glückseligkeit (ananda). Der in dieser letzten liegenden Hülle enthaltene innerste Kern menschlicher Existenz liegt jenseits jeglichen Denkens und auch aller Erkenntnis."
Petra: "Wenn ich ihnen so zuhöre kommt mir der Begriff Aura aus unserem Kulturkreis in den Sinn. Wie...?"

In diesem Augenblick werden Petra und ihr weiser Gastgeber jäh aus ihren Gedanken gerissen. Plötzlich durchfährt ein heftiger Windstoß durch den Laden und lässt die Palmblätter flattern. Ein weiterer Besucher hat unvermittelt die Ladentüre aufgerissen, dann aber nur kurz hereingeschaut und ist wieder weitergegangen. Der Inder lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, er scheint sich über den Windstoß sogar zu freuen.

Inder: "Ja ja, Vayu, der Wind, - ihm ist auch eine ganze Upanisad gewidmet."
Petra: "Wie bitte, dem Wind ist eine Upanisad gewidmet?"
Inder: "Die Prasna-Upanisad. Haben sie in ihrem hervorragenden Yoga-Unterricht noch nichts von den fünf vayu gehört? Man nennt sie auch die fünf prana."
Petra: "Natürlich, prana ist mir sehr wohl ein Begriff!"
Inder: "Diese Upanisad erzählt in einem Gespräch über einem Lehrer und fünf Schüler, wie sich prana im Körper fünffach aufteilt und welche Aufgaben diese fünf Teile haben."
Petra: "Ich möchte ihnen nicht den ganzen Nachmittag rauben. Ich glaube ich werde in der nächsten Stunde meine Lehrerin darum bitten, mir das mal näher zu erläutern."
Inder: "Das ist eine gut Idee! Aber eine Tasse Tee trinken sie doch noch mit mir, nicht wahr?"

Er steht auf, um neues heißes Wasser aufzusetzen, denn die schöne Kanne hat sich mittlerweile geleert. Auch Petra erhebt sich einen Moment und schlendert ein bisschen im Laden rum. Es gibt wirklich unendlich viel zu sehen. Durch die Fensterscheibe fällt jetzt das Sonnenlicht auf einen kostbaren Wandbehang. In dessen Mitte erstrahlt ein herrlich gesticktes OM-Symbol. Plötzlich steht der Inder wieder hinter ihr.

Petra: "Das Om - Symbol ist wunderschön. Wir tönen oft zum Abschluss unserer Yogastunde in der Gruppe das Om. Über dieses Om weiß ich auch einiges. Nicht wahr, es hat doch eine große Bedeutung in der indischen Philosophie?"
Inder: "Die Mandukya -Upanisad ist nur dem OM gewidmet. Das Symbol lässt sich in vier Teile zerlegen und beschreibt so die vier Zustände des Bewusstseins. Deshalb heißt diese Upanisad  auch "die vier Füße des Bewusstseins".
Petra: "Welche sind denn diese vier Zustände des Bewusstseins?"
Inder: "Das Wachbewusstsein - der Traum - der Tiefschlaf - und der vierte Zustand der über alles hinausgeht - All dies wird in diesem kleinem Text beschrieben.

Petra blickt auf ihre Uhr und erschrickt. sie hat in diesem indischen Paradies, gar nicht bemerkt wie die Zeit verflogen ist. Schon lange hat sie niemanden mehr so wunderbar erzählen gehört. Aber jetzt muss sie aufbrechen, denn in kürze geht ihre Fortbildung weiter.

Petra: "Entschuldigen sie, ich würde wirklich zu gerne noch mehr hören, aber ich muss wieder zurück. Danke für diesen wunderschönen und interessanten Nachmittag! Ich werde einmal in meiner Buchhandlung nach Büchern zu all diesen Dingen fragen, über die sie berichtet haben. Sie haben mich wirklich neugierig gemacht, mehr über alles zu erfahren."
Inder: "Tun sie das! Und wenn sie wieder einmal in Weimar sind, dann kommen sie doch bitte hier bei mir vorbei, denn es gibt noch so viel zu erzählen. Sie waren eine wunderbare Zuhörerin!"

Zum Abschied drückt er ihr mit einem warmen Händedruck ein OM - Symbol aus kühlem Messing in die Hand, eine Erinnerung an diesen besonderen Philosophischen Nachmittag. Petra verlässt den Laden und kehrt, in Gedanken versunken zurück zur Hauptstraße. Fast wie mechanisch erreicht sie den Ort ihrer Weiterbildung. Wie unwichtig und uninteressant kommt ihr auf einmal das alles vor. Petra weiß jetzt genau: Sie wird noch einmal ganz ernsthaft über eine Yogalehrerausbildung nachdenken.


                                                                                        Copyright Y-A-A , B.Hampe


Melanie Wollmar - yogamel.com










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Liebe Grüße Melanie Wollmar